Marokko ist ein wunderbares Land für Roadtrips — aber Mietwagenbetrug kommt vor. Auf Foren und Bewertungsplattformen häufen sich Berichte über fingierte Schäden, einbehaltene Kautionen und dubiose Online-Angebote. Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Maschen am häufigsten sind und wie du dich Schritt für Schritt absicherst.
Die häufigsten Betrugsmaschen
1. Fingierte oder übertriebene Schäden bei der Rückgabe
Das klassische Schema: Du gibst das Auto zurück, und plötzlich "entdeckt" der Mitarbeiter einen Kratzer, eine Delle oder eine gerissene Felge, die du nie verursacht hast.
Typischer Schaden-Betrag: 1.000–3.000 MAD (~90–270 €) für angebliche Kratzer oder Felgenschäden.
Schutz:
- Fotografiere das gesamte Fahrzeug vor der Abfahrt — alle vier Seiten, Dach, Räder, Innenraum
- Sende die Fotos per WhatsApp an den Mitarbeiter, damit sie mit Zeitstempel gespeichert sind
- Lasse alle vorhandenen Schäden schriftlich im Mietvertrag vermerken
- Gib das Auto tagsüber und in Anwesenheit eines Mitarbeiters zurück
2. Einbehaltene Kaution
Die Agentur blockiert 2.000–5.000 MAD (~180–450 €) auf deiner Kreditkarte. Nach der Rückgabe wird die Blockierung nicht aufgehoben oder nur teilweise zurückgebucht.
Schutz:
- Verlange schriftliche Bestätigung der Kautionsfreigabe bei Rückgabe
- Fotografiere die unterschriebene Rückgabedokumentation
- Warte 10–14 Tage und kontaktiere dann die Agentur schriftlich, wenn die Freigabe ausbleibt
- Bei berechtigten Ansprüchen: Chargeback-Verfahren über deine Bank (Rückbuchung) einleiten
3. Zu niedrige Online-Preise von dubiosen Anbietern
Fake-Webseiten oder Social-Media-Profile locken mit unrealistisch günstigen Preisen (unter 100 MAD/Tag für Kompaktautos). Du überweist eine Vorauszahlung — und der Anbieter verschwindet.
Schutz:
- Buche nur über verifizierte Verzeichnisse wie kara.ma
- Leiste niemals Vorauszahlungen per Überweisung an unbekannte Anbieter
- Mißtraue Angeboten, die deutlich günstiger sind als der Marktdurchschnitt
4. Unverständliche Versicherungsbedingungen
Du unterschreibst einen Vertrag mit CDW-Versicherung, ohne die Höhe der Selbstbeteiligung (Franchise) zu kennen. Im Schadensfall zahlst du plötzlich 8.000–15.000 MAD aus eigener Tasche.
Schutz:
- Verlange, dass die Franchise-Höhe auf dem Vertrag in MAD ausgewiesen wird
- Frage explizit: "Was zahle ich im Schadensfall selbst?"
- Erwäge die Super CDW mit reduzierter oder nullter Selbstbeteiligung
5. Versteckte Kilometer-Begrenzung
Der Vertrag enthält ein verstecktes Kilometerlimit (z. B. 200 km/Tag). Auf deinem Roadtrip von Marrakesch zum Sahara und zurück (über 1.000 km) entstehen saftige Nachzahlungen von 1–3 MAD/km.
Schutz:
- Überprüfe vor der Unterschrift: "Kilométrage illimité" (unbegrenzte Kilometer) oder "limité"?
- Bei Langstreckentouren: unbegrenzte Kilometer sind Pflicht
Die Anti-Betrug-Checkliste
| Zeitpunkt | Maßnahme | | ---------------- | -------------------------------------------------------------- | | Vor dem Buchen | Agentur googeln, Bewertungen prüfen, nur verifizierte Anbieter | | Bei Abholung | Fahrzeug vollständig fotografieren, Schäden notieren lassen | | Vor Unterschrift | Franchise-Betrag, Kilometerlimit, Kraftstoffpolitik lesen | | Fotos senden | Per WhatsApp an Mitarbeiter, mit Zeitstempel | | Bei Rückgabe | Tagsüber, mit Mitarbeiter, Rückgabedokument mitnehmen | | Nach Rückgabe | Kreditkarte auf Freigabe prüfen (7–14 Werktage) |
Woran erkennst du eine seriöse Agentur?
- Hat eine physische Adresse (nicht nur WhatsApp oder Instagram)
- Zeigt Google-Bewertungen mit echten Kommentaren
- Stellt einen klaren schriftlichen Vertrag aus — auf Französisch oder Englisch
- Fordert keine Vorauszahlungen per Überweisung vor der Fahrzeugübergabe
- Ist in einem verifizierten Verzeichnis wie kara.ma gelistet
Häufige Fragen
Was tun, wenn die Kaution nicht zurückkommt?
Schreibe der Agentur zuerst schriftlich (WhatsApp/E-Mail) mit einer Frist von 7 Tagen. Kommt keine Reaktion, kannst du bei deiner Bank einen Chargeback (Rückbuchung) einleiten — am besten mit Fotonachweisen.
Ist Betrug bei internationalen Ketten (Hertz, Europcar) seltener?
Tendenziell ja, wegen standardisierter Verfahren. Aber auch dort gibt es Berichte über überhöhte Schadensrechnungen. Die Grundregeln (fotografieren, Vertrag lesen) gelten immer.
